Luigi Di Marco

1912–1984

Luigi Di Marco
Luigi Di Marco mit seiner Ehefrau und ihren ersten beiden Kindern auf ihrem kleinen bewirtschafteten Grundstück, 1940
© Monica Delucchi Di Marco

Luigi Di Marco wird 1912 als achtes Kind in eine Bauernfamilie im Friaul in Norditalien geboren. Die Familie lebt in einfachen Verhältnissen in Porpetto und bestellt eigenes und gepachtetes Land. 1919 verliert Luigi fast seine ganze Familie durch die Spanische Grippe: Außer ihm überleben nur sein Vater und eine Schwester. Luigi muss fortan bei der Feldarbeit helfen und kann daher nicht weiter zur Schule gehen. Mit 18 Jahren besucht er deshalb Kurse, um die Grundschule abzuschließen. 1938 heiratet er Amelia Dri, das Paar bekommt vier Kinder.

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Gruppenbild von Soldaten aus Luigi Di Marcos Heimatdorf bei einem Toast auf Benito Mussolini in der Casa del Fascio von Porpetto. Einige der jungen Mädchen in der Bildmitte zeigen den faschistischen Gruß. Luigi Di Marco befindet sich in der hintersten Reihe unterhalb der rechten Flagge.
© Monica Delucchi Di Marco

1942 wird Luigi Di Marco nach Griechenland abkommandiert und dort zur Kontrolle des Hafens Piräus eingesetzt. Infolge des Waffenstillstandsabkommens zwischen Italien und den Alliierten im September 1943 gerät Luigi Di Marco in deutsche Gefangenschaft und wird nach Nürnberg-Langwasser transportiert.

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Viele Soldaten suchen wichtige Kulturstätten in den von ihnen besetzten Ländern auf. Hier ist Luigi Di Marco auf der Akropolis in Athen, Juli 1943.
© Monica Delucchi Di Marco
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Luigi Di Marco sendet seiner Frau Amelia so gut es geht Lebenszeichen per Postkarte und Brief aus der Gefangenschaft. Wie der Stempel zeigt, geht die Post zunächst durch die Zensurabteilung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XIII D in Nürnberg-Langwasser.
© Monica Delucchi Di Marco

„Liebe Frau, mir geht es gut, ich hoffe, dir auch. All ihr lieben Kinder, ich erinnere mich an den gestern zweijährigen Agostino, den ich nicht mehr kenne, aber ich hoffe, ihn bald zu sehen. Marcello, Maria werden groß und brav sein, ich hoffe, dass ihre Gebete wirken und dass die Muttergottes sie mich bald wiedersehen läßt. Euch allen alles Gute. Luigi“
Fragen nach dem Wohl der Kinder, seiner Frau und der Ernte nehmen viel Raum in seinen Briefen ein. Über sein Leben im Lager und die Zwangsarbeit im Arbeitskommando 16036 in Allersberg berichtet Luigi Di Marco hingegen wenig.

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Postkarte vom 6.9.1944 / 7.9.1944
© Monica Delucchi Di Marco
 

6.9.1944 / 7.9.1944
„Liebe Frau, mir geht es in allen Dingen gut, sowohl gesundheitlich als auch überhaupt. Wie du wohl schon weißt, bin ich seit letzter Woche zivil, jetzt gibt es kein Leiden mehr. Dann habe ich in den letzten Tagen ein Paket erhalten, dies ist das sechste, und ich bezweifle, dass das achte, das du mir geschickt hast, am 30.6. war, während das von Mitte Mai und Mitte Juni nicht angekommen ist. Jetzt bitte ich dich, mir nichts mehr zu schicken, informiere dich nur gut, um mir zu schreiben, sonst bitte ich dich um nichts. Ich wünsche dir und den Kindern alles Beste. In der Hoffnung, einander bald umarmen zu können. Grüße alle Freunde und Verwandten, immer dein Luigi.“
Erste Postkarte an die Familie nach seiner Überführung in den Status eines zivilen Zwangsarbeiters im Sommer 1944, wovon er der Familie auch selbst berichtet. Als Adresse ist fortan „Ausländer-Lager Allersberg bei Nürnberg“ angegeben.

Nach einem kurzen Einsatz in der Landwirtschaft muss er in einer Drahtziererei-Fabrik in Allersberg nahe Nürnberg Zwangsarbeit leisten. Kurz vor Kriegsende gelingt es ihm, zu fliehen und auf eigene Faust nach Italien zurückzukehren. Er nimmt seine Arbeit als Bauer wieder auf und stirbt 1984 im Alter von 71 Jahren.

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